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Abbruch und Abschied nehmen

Autor: Miri | Datum: 21 September 2017, 20:16 | 0 Kommentare

Gerade sitze ich ich am Flughafen in Bukoba und warte am Gate, um in den Kleinflieger nach Dar es Salaam einsteigen zu können. Dort werde ich bis morgen im Hotel übernachten und dann geht mein Flug zurück nach Deutschland. Meine Gefühle sind gemischt, hauptsächlich hoffnungsvoll, da ich weiß, dass es mir bald besser gehen wird was meine Gesundheit und die somit inbegriffenen Psyche angeht. Am Samstag werde ich voraussichtlich dann in Düsseldorf ankommen und ab diesem Tag beginnt ein neuer Abschnitt meines Lebens. Ein Abschnitt, mit welchem ich keineswegs so früh gerechnet habe. Für mich war es eine Selbstverständlichkeit hier für ein Jahr zu bleiben. Allein dadurch, dass ich aus Erfahrung mit diesem Land nur positive Aspekte verband. Meine Vorstellung sah so aus: "Ich komme an und fühl mich von Vornherein wohl. Die ersten Wochen werde ich im Honeymoon Feeling verbringen, werde neue tolle Menschen kennen lernen und jeden Morgen, den ich aufwache mit großer Freude füllen. Ich werde sicherlich mal das eine oder andere Tief haben, weil ich meine Familie und Freunde vermisse, aber das wird durch all das wundervoll Bekannte schnell verfliegen. Ich werde mich sicherlich an meiner Stelle als Lehrer Assistentin wohl fühlen, auch wenn es in manchen Situationen bestimmt mal schwieriger als gedacht wird. Doch das pack ich locker, denn als Kind habe ich doch auch schon immer Lehrerin gespielt, warum sollte ich es nicht jetzt auch können? An Weinachten werde ich dann mit den Menschen bei mir Zuhause ihre Traditionen für die Festtage kennen lernen und Silvester mit Paul und Lena in Bukoba verbringen. Vielleicht wird sich ja mal die Möglichkeit ergeben und ich komme nach Sansibar, so verpasse ich auch gar nichts. Natürlich mache ich mir dann so langsam Gedanken mit der Zeit, wie und wo ich meine Zukunft gestalten werde. Vielleicht eine Ausbildung als Konditorin, Jugendreferentin oder eher Studium? Im Juli kommen dann meine Eltern und ich nehme mir Urlaub, um gemeinsam mit ihnen all unsere Bekannten und Freunde von früher in ganz Tanzania zu besuchen. Inklusive einer Safari, welche ich mir zum 19. Geburtstag gewünscht habe. Ja und dann..? Dann werde ich erst Abschied nehmen, werde all meine Koffer mit Tansanischen Geschenken zupacken und mit Vorfreude und Trauer aufgrund des Abschieds in den Flieger steigen. Und selbstverständlich komme ich bereichert zurück und werde wie meine Familie Kiswahili sprechen können! Ach, das kann doch nur toll werden..Miriam! Mach dir keine Sorgen, du wirst das tollste Jahr deines Lebens haben, so wie es dir deine Mentorin schon die ganze Zeit auf What's App verspricht." Nun klingt das alles sehr ironisch und ein Stück weit meine ich das auch. Allerdings wende ich mich nicht an diesen Schreibstil, weil alle anderen sich doch hätten darum kümmern können, dass diese Erwartungen in Erfüllung geht, sondern weil ich persönlich viel zu blauäugig in dieses Jahr gestartet bin. Ich selber habe mir unbewusst viel zu große Ziele gesetzt, welche ich alle gar nicht richtig erfüllen kann. Die Menschen hier haben ihr bestes gegeben, damit es mir gut geht. Damit ich meine Sorgen vergessen kann. Doch bei mir hing die Blockade im Kopf. Letztendlich hätte ich mir nur selber helfen können, um mich von meinen Ängsten und der Vergangenheit zu befreien. An mir selbst hing die Erwartung, an mir selbst hing das Handeln. Doch jetzt muss und will ich mich verteidigen.. Denn gerade durch die gefallene Entscheidung muss ich zu mir selbst stehen und sollte mich nicht in das Licht des leichtsinnigen und willenlosen Mädchens stellen. Auch wenn ich hiermit große Chancen (viele sagen sogar die größte Chance des Lebens) verpasse und aufgebe.. das was mich hier halten würde wäre nur die Angst, dass ich verurteilt werde, wenn ich zurück komme. Dass andere grinsen und mir genau das ins Gesicht klatschen was ich mir selbst schon vorwerfe: „ Miriam, du bist doch so stark gewesen! Du hattest doch Ziele.. Hast du den Willen verloren diese zu verwirklichen? Warum bist du dir selbst nicht treu geblieben und bist schwach geworden?". Das ich jetzt zurück komme beweist keine Schwäche, weil ich mir anscheinend in meinen Träumen nicht treu geblieben bin, sondern viel eher Stärke. Denn ich wende mich gegen die größte Angst verurteilt zu werden. Ich wehre mich, um letztendlich in meiner gewendeten Situation zu mir selbst zu stehen. Ich habe mich für meine Gesundheit entschieden. Dafür, dass mir geholfen wird, wo ich es selbst nicht kann und die Menschen um mich herum ebenfalls nicht. Diese Entscheidung fiel mir nicht nur aus Angst schwer, sondern auch, weil ich realisiert habe, dass ich nichts ändern kann und ich es so oft versucht habe. Dass ich das Jahr beenden muss, obwohl ich so oft dafür gekämpft habe es durchzuhalten. Die Zeit hier war kurz, sicherlich zu kurz. Aber nicht zu kurz, um zu lernen was wichtig für mich ist. Ich weiß nun, dass ich noch lange nicht über den Tod meines Bruders hinweg bin. Dass ich die Trauer immer vor mir her geschoben habe und nun in einer völlig überraschenden Situation damit konfrontiert werde. Mir wurde bewusst, dass ich mir selber nicht zu viele und große Ziele setzten darf und nicht mit einer Selbstverständlichkeit in neue Abschnitte des Lebens einsteigen sollte, denn so enttäusche ich mich immer aufs Neue. Wäre es nicht zum Krankenhausaufenthalt gekommen, würde ich vermutlich noch die nächsten Wochen, wenn nicht sogar Monate, Nachts wach in meinem Bett liegen und in Depressionen verfallen. Denn Körperliche Schmerzen können jederzeit durch Schmerztabletten vermindert oder sogar aufgelöst werden, doch die Schmerzen im Herzen und in den Gedanken benötigen Hilfe, dessen Aufwand größer und zeitlich länger ist. Insofern bin ich froh, dass mein eigener Körper mir durch all die Schwächeanfälle mitgeteilt hat, dass ich so nicht weiter machen kann. Hätte mein Kreislauf nicht nachgelassen, würde sich mein physischer Zustand zwar nicht verschlechtern, aber dafür würde sich mein psychischer immer mehr in die Kluft meines dunklen Ich's reißen. Also stehe ich jetzt an einem Punkt, der mich einerseits stolz darauf macht sich für mich selbst entschieden zu haben, was mir in Vergangenheit schon immer schwer fiel, als auch an einem Punkt der Traurigkeit. Denn ich habe in den ersten und letzten vier Wochen hier wundervolle Menschen in mein Herz geschlossen, dessen Abschied nehmen mir mehr als schwer fällt. Mit ihnen hätte ich ein wunderbares Jahr verbringen können, dessen bin ich mir voll und ganz bewusst. Der Ort Karagwe ist sehr schön und trotz meines sehr kurzen Aufenthalts habe ich beim Verlassen das Gefühl verspürt, aus meinem neuen Zuhause zu verschwinden. Und gerade weil ich trotz all der hauptsächlich harten Zeit wertvolle Schlüsselmomente gesammelt haben, welche mich ebenfalls stark bereichert haben, möchte ich euch zum Land auch noch ein wenig berichten: Tanzania ist ein wunderschönes Land. Zumindest die Bereiche, welche ich schon kenne. Die Kultur ist sehr anders. Andere Sitten, Gebräuche, Gewohnheiten. Die Frauenrolle steht immer noch stark hinter dem Mann, was ich ebenfalls oft zu spüren bekam. Die Menschen stehen sehr nah zum Glauben und setzen viel daran. Allgemein sind sie alle sehr langsam.. Nehmen sich für vieles fast dreimal so viel Zeit wie wir Deutschen es tun. Deutschland ist ein hektisches Land, Tanzania hingegen ein sehr Langsames. Sich zu lieben bedeutet hier etwas anderes: Viele schließen den Bund der Ehe aus rein finanziellen Gründen. Sich auf der Straße als ein Einheimischer mit seinem Geliebten zu zeigen, führt zu Missverständnissen, wenn nicht sogar zu Gerüchten. Männer tuen nach meinem Gefühl oft das, was sie wollen.. Ich könnte hier keine einfache Freundschaft zu einem jugendlichen Mann aufbauen ohne ihm das Gefühl zu vermitteln, dass zwischen uns etwas laufen könnte (Bitte beachtet, dass das meine alleinige Sicht sein kann und viele Ansichten sich da unterscheiden). Was mir als sehr positiv auffällt ist ihr Wertschätzen von Dingen, die selbstverständlich für mich sind. Zum Beispiel freuen sie sich sehr über Regen, welcher ihnen die Ernte und somit das Überleben garantiert. Denn laut Achsah bekommen die Menschen hier durchschnittlich im Monat 10-20€. Manche arme Familien leben alleine von 5€ pro Monat! Das Essen und Leben ist für sie eine großes Geschenk. Ich realisiere, dass ich manchmal völlig undankbar Dinge zu mir nehme, wo sie hingegen glücklich drüber wären.. Sei es nur ein Stück Schokolade oder gar ein Stück Brot. Ich möchte ungern den Stereotyp, dass Tanzania/Afrika arm ist, bestätigen. Doch in vielen Situationen wurde ich tatsächlich mit dieser Realität konfrontiert. Die Menschen sind hier einfach tierisch dankbar für das was sie haben! Das heißt nicht, dass ich jetzt genau wie sie aus Solidarität auf all das Schöne verzichten sollte, sondern dass ich einfach genau so dankbar sein darf. Für sie hingegen ist ihre Natur eine völlige Gewohnheit. Als ich mit Achsah Abends durch die Bananenstauden lief und voller Begeisterung vom Sternenhimmel stehen blieb, lachte sie nur und meinte:„Glaub mir meine Liebe, das ist noch lange nicht alles! Sowas wäre mir gar nicht aufgefallen." Der Sternenhimmel glitzerte wie New York bei Nacht..! In diesem Moment verspürte ich das Gefühl von Vollkommenheit. Die Musik hier ist sehr aufheiternd, kaum einer hört so melancholische wie ich es von uns kenne. Und generell sind die Menschen hier sehr temperamentvoll, aufgeschlossen und freundlich, wenn du es auch zu ihnen bist. Ich verbrachte viel Zeit Abends mit der Familie des Headteachers der Tegemeo. Ich durfte seiner Frau beim Kochen helfen und lernte somit die Tanzanische Küche besser kennen. Ndizi mit Maharagwe (Kochbananen und Bohnen), Mnyama (Fleisch), Dagar (kleine gebratene Fische), Ugali (Maisbrei), Chapati (Fladenbrot/Pfannekuchen), Chips Mayai (Omelett mit frittierten Kartoffeln), Mandazi (süße Teigbällchen) und Pilau (Reisgericht mit orientalischen Gewürzen). Auch das Einkaufen auf dem Markt viel mir mit der Zeit immer leichter. Besonders Stolz war ich auf meine erste Unterhaltung nur auf Kiswahili, denn jeden Tag lernte ich um die zwei Seiten Vokabeln und hing mir diese im ganzen Haus auf. Ich könnte noch so vieles erzählen was mich begeistert oder befremdet hat, doch sicherlich würde das meinen Blogumfang sprengen. Jedenfalls weiß ich jetzt, was ich alles wertschätzen kann wenn ich Nachhause komme... Sei es nur die Zahnbürste oder das kleine Schälchen Müsli am Morgen. Vielleicht komme ich ja noch zu dem einen oder anderen Eintrag, doch erst mal möchte ich mich um mich selbst kümmern und all das viele Neue verarbeiten. Ich muss mein bevorstehendes Jahr mit neuen Plänen füllen, wobei ich auf Gott und mein Bauchgefühl vertraue. And One day.. I will come back Tanzania! Nitakuja Tanzania, ninajua. Ninapenda nchi lako, chakula na watu. Watoto na Wazee.. Msichana na Mvulana! Tutaonana.. Ndani Tanzania au Ujerumani. Kaka na Dada? Kwaheri! Macht es gut und vergesst nicht zu lächeln! Eure Miriam Zawadi.

 

Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten

Autor: Miri | Datum: 18 September 2017, 08:02 | 0 Kommentare

Ich war 16 als ich erfuhr dass mein Bruder gestorben war. Ich war zum Boden zerstört und alles was ich fühlte war Angst. Angst und das Wissen, dass sich mein Leben von nun an ändern würde. Die darauf folgende Zeit war hart. Ich nahm schnell ab, trennte mich von meinem damaligen Freund, musste mit Schuldgefühlen und Selbstzweifeln kämpfen und sank in ein tiefes schwarzes Loch, dessen knochige Finger mein eigentliches Ich nach und nach aus mir zerrten. Ich lernte neue tolle Menschen kennen, welche mir darüber hinweg halfen und ein Jahr später bekam ich einen neuen Lichtblick: Mein Ziel nach dem Abitur war es raus zu kommen. Weg von Zuhause, rein in das Neue. Und als ich letztes Jahr eine Zusage auf meine Bewerbung bei der VEM erhielt, konnte ich mich vor Freude kaum halten. Erst Recht, da mich mein familiäres Heimatland Tanzania erwartete. Fernweh wuchs und wuchs und meine Motivation das Abi zu schaffen und danach ein Jahr etwas völlig Neues zu starten, war atemberaubend groß. Ich genoss die letzte Zeit mit Freunden und Familie und stieg mit fest entschlossenen Schritten in den Flieger. 3 Wochen später und meine innere Welt hat sich gedreht. Ich liege krank in meinem Bett und schaue zurück auf die letzten Tage. Noch nie ist mir so viel auf einmal in so kurzer Zeit passiert. In der ersten Woche der versuchte Einbruch, Zweifacher Umzug, keine Stelle, fremde Menschen. In der Zweiten Woche prägender Kulturschock, Heimweh, aufkommende Depressionen und Motivationsverlust. Nebenbei ständige Komplikationen im Haus und Unwetter. 3 Woche: Meinen 19. Geburtstag verbrachte ich mit Paul in Bukoba, doch als ich nach diesen erholsamen zwei Tagen nachhause kam, überraschten mich die Flöhe in meinem Haus. Zwei Tage lang war ich am Waschen, Putzen und Bügeln. Mein Körper verlor an Kraft. Alle Nächte, welche ich bisher hier in TZ verbracht hatte, waren von Albträumen und Schlafmangel besessen. Und diese Albträume handelten von meinem Bruder. Dieses Land verbindet mich mit ihm, da er hier den Großteil seiner Kindheit verbracht hatte. Den Urlaub mit ihm hier habe ich als eine wunderbare Zeit in Erinnerung, weshalb ich nicht die Erwartung hatte, dass wenn ich hier herkommen würde, dass dieser Ort zum Hindernis werden könnte. Um es euch anschaulicher zu machen, ziehe ich nun den Vergleich eines Liebeskummers: Ein Paar trennt sich nach Jahrelanger Beziehung und geht getrennte Wege. Doch immer wieder gelangen sie an alte Orte, an welchen sie zusammen wunderschöne Zeit verbracht hatten. Diese Erinnerungsstücke schmerzen im Herz, da sie daran erinnert werden, wie sie trotz all dieser wundervollen Zeiten auseinander gehen mussten. Jetzt ist Geschwisterliebe allerdings nochmal etwas ganz besonderes und auf die Tatsache hinweg, dass ich nichts mehr rückgängig machen kann, stehe ich trotzdem an diesem Ort und werde tagtäglich mit meiner Vergangenheit konfrontiert. Hinzu kam mein plötzliches in Ohnmacht fallen. Nun liege ich mit einer Gehirnerschütterung und ständiger Übelkeit im Bett und habe beschlossen dieses Jahr aufgrund meiner Gesundheit abzubrechen. Es fällt mir mehr als schwer dies in aller Öffentlichkeit auszusprechen, da ich selber nicht ganz damit zufrieden bin erst drei Wochen hier zu sein und schon dem Rückflug entgegen zu sehen. Doch die VEM, meine Familie und Freunde raten mir zu diesem Entschluss und auch mein Kopf weiß, dass ich professionelle Hilfe in Deutschland benötige bevor es immer mehr bergab geht. Jetzt heißt es erst mal bestmöglich gesund werden und die letzten Tage hier versuchen zu genießen, um nicht das Land in Verbindung mit einem negativen Gefühl dastehen zu lassen. Es war eine der schwersten Entscheidungen die ich in meinem bisherigen Leben treffen musste. Fragen in meinem Kopf stellten sich auf: Was mache ich nun in Deutschland? Werde ich wieder gesund? Wie kann ich wieder zu meinem eigentlichen selbstbewussten Ich zurück finden? Kann ich wieder hier her zurück kommen? Wird mich jemand auslachen? Wird jemand darüber urteilen, dass ich schon jetzt aufgebe? Und ich sammelte Antworten von allen meinen Lieben: Wenn du die Antwort nicht kennst, ist es nicht Zeit die Antwort kennen zu müssen. In Gottes Plan wird alles zur rechten Zeit klar. Wer das Urteil der Menschen fürchtet, gerät in ihre Abhängigkeit. Wer aber dem Herrn vertraut ist gelassen und sicher. Aufgegeben habe ich nicht. Viel eher beweist es Stärke sich für das Richtige zu entscheiden und in diesem Fall ist meine Gesundheit das höchste Gut, welches Gott mir geschenkt hat. Meine Seele litt hier schon von Anfang an und da ich diese nicht beachten wollte, zwang sie den Körper dazu mir durch die Schmerzen zu signalisieren, dass ich auf mich hören sollte. Viele werden mich also überraschender Weise schon bald wieder in Deutschland sehen. Einerseits freue ich mich auf alle, hoffe aber auch, dass ich mich dort nicht mit den Gedanken der Selbstzweifel herum schlagen muss. Doch ich vertraue auf Gott, dass es sein Plan und seine Absicht ist, dass ich zurück komme und meine Wurzeln Zuhause weiterschlage. Mein großer Dank geht an Achsah, meine herzliche Mentorin, ohne die ich das hier gar nicht erst soweit geschafft hätte. Jedesmal konnte ich dank ihr mir viele neue Chancen geben nicht sofort aufzugeben und innerhalb kürzester Zeit habe ich sie sehnlichst in mein Herz geschlossen. Auch danke ich allen anderen Freiwilligen für eure offenen Ohren und euer Mitgefühl. Eure Gruppe hat mich das letzte Dreiviertel Jahr begleitet und es war mir eine Ehre mit euch allen die Vorbereitungsseminare erleben zu können, euch mit meinen ständigen Gedichten zuzustopfen und gemeinsam mit euch unser T-Shirt zu kreieren. Jeder von euch bedeutet mir sehr viel und gerne komme ich euch alle besuchen, wenn ihr ebenfalls wieder zurück seid. Auch möchte ich meiner ganzen Familie danken, welche mir ständigen Rückhalt über Whats App schenkt und mich in all meinen Entscheidungen unterstützt. Und zu Guter letzt danke ich meiner besten Freundin Ella und meinem Freund, welche harte Stunden voller Ungewissheit nach meinem Zustand verbringen mussten. Aufjedenfall werdet ihr weiterhin von mir in diesem Blog hören, auch wenn ich ihn von Deutschland aus weiterführen werde. Denn schließlich möchte ich euch ja auch an meiner voraussichtlichen Besserung teilhaben lassen. Liebste Grüße aus dem regnerischen Karagwe, Eure Miriam Zawadi

 

Manchmal muss man nur 20 Sekunden mutig sein!

Autor: Miri | Datum: 07 September 2017, 16:56 | 0 Kommentare

Diesen Traum den wir verfolgen, scheinen wir oft zu bezweifeln. Was wir realisieren unterscheidet sich von dem was wir vorerst dachten zu begreifen. Wir stehen mit dem Herzen im Fluss der Eindrücke. Stoßen gegen Wände, dem Himmel entgegen und finden kein Ende. Wir nehmen uns oft zu viel vor, bis wir der Überforderung begegnen. Dennoch sollten wir vertrauen auf Gottes Segen. Meine Hände schreiben diese Worte mit flüssiger Tinte von selbst. Meine Eindrücke zu viele, auch Angst dass du fällst? Fällst in die Tiefe des Täuschens und der Fehler. Dass wir versagen, dass trifft meine Angst schon eher. Ohne die Menschen dessen Herzen die unseren ergreifen, würden wir schon längst von den Spuren schweifen. Wären wir alleine, täten sich die Tore zum Schwarzen auf. Mein Bruder, vergess nicht, lauf lieber da raus! Überwinde deinen Schatten, überwinde dein Ich. Dessen Kleinkind entweicht dem Erwachsenen mit einem Stich. Und sieh, da sieht der Morgen schon ganz anders aus. Fröhlich sein, es tut sich was auf! Lass uns gedeihen in der Hoffnung Liebe, Freundschaft prägt, der Traum? Er siegte! Also gebe dir Zeit, stelle dich dir selbst. Der, der dich liebt, ist da wenn du fällst!

 

Meine erste Woche in Tansania

Autor: Miri | Datum: 04 September 2017, 13:49 | 1 Kommentare

„ Rome was not build in one day". - Diesen Spruch habe ich von meinem weisen und herzlichen Freund Bernd erhalten, als sich die erste und hoffentlich auch größte Hürde in diesem Jahr auftürmte. Er war 2015/16 Freiwilliger in Südafrika und spricht aus Erfahrung. Zunächst habe ich lange überlegt was und wie ich meine Berichte in diesem Blog mitteile, da ich niemanden beunruhigen möchte. Da mir Ehrlichkeit erfahrungsgemäß einer der wichtigsten Beziehungsbausteine unserer Gesellschaft ist, werde ich mich auch daran halten und meine ersten Erfahrungen nicht Blümchen-verziert niederschreiben. Meine Erwartungen für den Anfang diesen Jahres sahen wahrhaftig anders aus! Das Land Tanzania kenne ich aus Kindheitszeiten, denn meine Familie hat hier für 7 Jahren eine wunderschöne und prägende Zeit verbracht. So auch meine Erwartungen an mich selbst: Meine Motivation stand von Anfang an tief in meinem Herzen großgeschrieben. Ich konnte den Moment des Ankommens in Tanzania kaum abwarten. Ich war festentschlossen, dass ich hier von Vornherein begeistert in die kommenden 365 Tage starten würde. Doch in diesem Fall hatte ich mich vertan. Der Flug verlief soweit gut, die Zeit mit meinen anderen zwei Mitfreiwilligen Paul und Lena war unterhaltsam und als wir in Dar es Salaam ankamen, wurden wir herzlich von unserer Vorfreiwilligen Jena (2015/16 Philippinen) und ihrer Freundin empfangen. Diese kann Kiswahili und ohne sie wären wir sicherlich aufgeschmissen, da unserer Fahrer kein Englisch konnte und wir anders wohl schwer den Weg zum Hotel und den Plan für die kommenden zwei Tage erfahren hätten. Die Zeit mit den anderen war entspannt, locker und ablenkend. Doch mit den ersten Kopfschmerzen, unruhigen Nächten und dem schnell auftretenden Heimweh nach Familie und Freunden spürte ich, dass ich keineswegs in einer Honeymoonphase stecken konnte. In Dar besorgten wir die ersten notwendigen Dinge, wie z.B. SIM Karte, doch unsere Zeit dort war schnell vorbei. Paul und ich nahmen am Dienstag Morgen um 5 den ersten Flieger nach Bukoba, wo sich unsere Wege trennten und ich von meiner Mentorin Achsah abgeholt und an meinen Einsatzort Karagwe gebracht wurde. Ruck zuck landete ich im Hotelzimmer und durfte dort den restlichen Tag alleine verbringen. Der Versuch, eigenständig auf den nächstgelegenen Markt zu gehen, war schnell überfordernd: Alle Blick waren auf mich gerichtet und in schnellster Kürze hatte sich um mich eine Truppe von Kindern, Frauen und Verkäufern gebildet. Wie es mir schon als Kind unangenehm war im Schwall solch unbekannter Menschen im Mittelpunkt zu stehen, war es dies jetzt noch mehr, da mir keiner wie meine Eltern zur Hilfe stehen konnte. Also kaufte ich mir schnell mein dringend notwendiges Wasser und verschwand für den Rest des Tages im dunklen Hotelzimmer. Am Mittwoch wurde mir der Church Office in Lukajange vorgestellt. Im Anschluss fuhr ich mit Achsah auf den Markt und kaufte mir Grundlegendes zum Essen und Putzen. Abgeholt wurde ich von dem Headteacher der Karaseco Secondary School, meiner bevorstehenden Arbeitsstelle. Dort angekommen durfte ich sofort mein Haus beziehen und im Anschluss mit den Lehrern Mittagessen. Alle waren sehr herzlich und schnell freundete ich mich mit zwei jüngeren Lehrerinnen an, welche mir den Compount zeigten. Das abendliche Fußballspiel der Männlichen Schüler gegen ihre Lehrer war durchaus unterhaltsam und ich freute mich sehr, als ich vor den anderen tanzen sollte und dessen Begeisterung groß war. Danach wollte ich ungern zurück in mein Haus, welches sehr dunkel und zu groß war. Mit schwerem Herzen packte ich meine letzten Sachen aus und brauchte lange bis ich letztendlich einschlief. Doch aufwachen tat ich durchaus nicht aufgrund meines Weckers.. Erst dachte ich, dass Tiere auf meinem Haus turnten, doch dies bestätigte sich bedauerlicher Weise nicht. Denn eine Person versuchte sich durch meine Eingangstür Zutriff in mein Haus zu verschaffen. Ohne Erfolg ging sie ums Haus an meinem Fenster vorbei und versuchte es erneut am Hintereingang. Schnell machte ich das Licht an um ihn auf mein Bemerken aufmerksam zu machen und zwei Stunden später wurde ich von Achsah abgeholt und zurück nach Lukajange gebracht. Mein zweiter Umzug stand bevor, doch diesmal in ein deutlich schöneres und tatsächlich bekanntes Haus. Mein Bruder hatte hier vor elf Jahren sein FSJ mit der VEM gemacht und ich durfte nun sein altes Heim besetzten. Die kommenden Tage verbrachte ich viel Zeit mit meiner schon sehr lieb gewonnenen Mentorin, ohne sie hätte ich hier sicherlich deutlich größere Schwierigkeiten mich zu integrieren. Ich traf viele Freunde von ihr und ebenfalls andere Deutsche, welche traurigerweise bald wieder weg sind. Mein Wohnort liegt sehr weit außen und bis in die Stadt dauert es ungefähr 20-30 min mit dem Auto, wodurch ich den Kontakt zu anderen Jugendlichen nur bedingt halten kann. Als ich am Samstag Achsah auf ihre eigene Plantage und zu Ihrer Familie begleitete, wurde mir die Arm-Reich-Schere schnell und bewusst vor Augen geführt. Ich war froh kein Geld dabei gehabt zu haben und somit nicht in der Versuchung gekommen zu sein den bettelnden Menschen etwas zu geben. Deutlich glücklicher und gleichzeitig traurig machte es mich, als ich mit meinem Wasser aushelfen konnte. Abends fuhr ich spontan mit einem Piki Piki (Motorcycle) in die Stadt zu einer Familie, welche auch in Bekanntschaft zu meiner steht. Die Frau ist Dänin und kann sehr gut Deutsch. Ihr meine einsame und bisher unzufriedene Lage zu erklären tat gut und schnell ließ sich die Idee aufkommen bei Ihnen für das Jahr einzuziehen. Den Sonntag Morgen verbrachte ich 3 Stunden in der Kirche mit anschließender Versteigerung, wo ich einen Hahn geschenkt bekam. Achsah und ich nennen ihn Jürgen und bisher ist er dem Schlachter vorenthalten worden, was allerdings nicht mehr lange dauern wird. Mit einem gemeinsamen Picknik, netten Gesprächen und einem kleinen Spaziergang endete der letzte Tag meiner ersten Woche. Gemischte Gefühle von Freude, Begeisterung, Heimweh und Einsamkeit. Dazu Stromausfall, Quiekende Mitbewohner (welche mein teures Brot aufgegessen haben), verstopfte Ausflüsse.. Schon jetzt am Anfang der zweiten Woche erfahre ich, dass die Wahrscheinlichkeit eines Wohnsitzes bei der Gastfamilie ausgeschlossen ist. Außerdem ist zur Zeit Regenzeit.. Die Menschen hier freut das sehr, meine Begeisterung hält sich dabei eher in Grenzen, da das alleinige im Haus sitzen und bisher niemandem Helfen können (habe jetzt erst mal zwei Wochen frei, da hier momentan Schulferien sind) nicht gerade feierlich ist. Also wie ich euch leider mitteilen muss geht meine Motivation bergab, zumal noch nicht ganz feststeht, was meine zukünftige Arbeit sein wird. Hoffentlich hat sie schon die tiefste Treppenstufe erreicht, sodass es nur bergauf gehen kann, aber das sehen wir dann weiter. Ich vertraue auf Gott, dass sein Wille mich hier zu haben auch mein Wille wird und bleibt. Dass ich den schon gewonnen Anschluss zu den Menschen hier genießen kann und ich euch bald mehr Positives erzählen kann. Wie auch das schöne Rom nicht an einem Tag erbaut werden konnte, so muss auch ich mir die notwendige und lange Zeit nehmen um hier anzukommen. Denn schließlich besteht mein Herz nicht aus Lego-Steinen, mit welchen ich als kleines Mädchen innerhalb weniger Stunden ein buntes Paradies bauen konnte. Liebste Grüße, Eure Miriam Zawadi

 

Bald geht's los!

Autor: Miri | Datum: 10 August 2017, 18:42 | 0 Kommentare

Lieber Mensch. Hörst du mich, hörst du das was meine nächste Zeile verspricht? Hörst du wie das Leben nach dir ruft, deine innere Fantasie dein Denken schuf? In 16 Tagen werde ich andere Wurzeln schlagen, werde lernen mich nicht über unsichtbar kostbarste Dinge zu beklagen. Werde sehen, dass das Leben nicht nur aus Geld und dessen Ruf besteht. Das das menschliche Hassen und dessen Grenze durch Akzeptanz vergeht. Akzeptanz des eigenen Ichs, der Gesellschaft und der zugelassenen Freude allein durch sich. An dich geht dieses Appell: Tu keine unbedachten Dinge zu schnell. Meine Zeit ist gekommen um für längere Zeit Abschied zu nehmen, von den Dingen die mich begleiten mein ganzes Leben. Und so möchte ich genau dir sagen, dass ich das auch dir wünsche was andere und ich mit uns tragen: Es ist Freude, Zufriedenheit und ganz besonders Liebe! Es ist die nach dem lebenden Leben größte Begierde. Ich war blind das alles Zu erkennen, was ich besitze hatte ich vor zu verblenden. In vielen Augenblicken die ich fühlte war ich unzufrieden und jetzt habe ich mich gegen dessen unbegründete Gründe entschieden. Und ja, ich glaube an diesen Gott, den manche halten für Spott. Den der eine oder andere ignoriert, nicht an sich ran lässt, nicht dessen Liebe spürt. Aber Hand aufs Herz, jeder führt seine eigene unendliche Geschichte, welche verziert ist durch liebliche Berichte. Und jetzt stell dich zentral in diesen Strom der Verzweiflung, Risse im Herz sind schwerer als jegliche Körperverschwendung. Und es gibt keine Gründe zurück zusehen, denn so viel Schönes liegt vor dir, das kann ich eingestehen. Also nehme dich so wie du bist, das ist die tröstende Lösung wie ihr es wisst. Hujambo! Napenda kujifunza mengi kuhusu maisha ya hapa, kanisa lenu, nchi yenu, na utamaduni wenu. P.S. Lasst mir gerne Kommentare und Rückmeldungen da!