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Meine erste Woche in Tansania

Autor: Miri | Datum: 04 September 2017, 13:49 | 1 Kommentare

„ Rome was not build in one day". - Diesen Spruch habe ich von meinem weisen und herzlichen Freund Bernd erhalten, als sich die erste und hoffentlich auch größte Hürde in diesem Jahr auftürmte. Er war 2015/16 Freiwilliger in Südafrika und spricht aus Erfahrung. Zunächst habe ich lange überlegt was und wie ich meine Berichte in diesem Blog mitteile, da ich niemanden beunruhigen möchte. Da mir Ehrlichkeit erfahrungsgemäß einer der wichtigsten Beziehungsbausteine unserer Gesellschaft ist, werde ich mich auch daran halten und meine ersten Erfahrungen nicht Blümchen-verziert niederschreiben. Meine Erwartungen für den Anfang diesen Jahres sahen wahrhaftig anders aus! Das Land Tanzania kenne ich aus Kindheitszeiten, denn meine Familie hat hier für 7 Jahren eine wunderschöne und prägende Zeit verbracht. So auch meine Erwartungen an mich selbst: Meine Motivation stand von Anfang an tief in meinem Herzen großgeschrieben. Ich konnte den Moment des Ankommens in Tanzania kaum abwarten. Ich war festentschlossen, dass ich hier von Vornherein begeistert in die kommenden 365 Tage starten würde. Doch in diesem Fall hatte ich mich vertan. Der Flug verlief soweit gut, die Zeit mit meinen anderen zwei Mitfreiwilligen Paul und Lena war unterhaltsam und als wir in Dar es Salaam ankamen, wurden wir herzlich von unserer Vorfreiwilligen Jena (2015/16 Philippinen) und ihrer Freundin empfangen. Diese kann Kiswahili und ohne sie wären wir sicherlich aufgeschmissen, da unserer Fahrer kein Englisch konnte und wir anders wohl schwer den Weg zum Hotel und den Plan für die kommenden zwei Tage erfahren hätten. Die Zeit mit den anderen war entspannt, locker und ablenkend. Doch mit den ersten Kopfschmerzen, unruhigen Nächten und dem schnell auftretenden Heimweh nach Familie und Freunden spürte ich, dass ich keineswegs in einer Honeymoonphase stecken konnte. In Dar besorgten wir die ersten notwendigen Dinge, wie z.B. SIM Karte, doch unsere Zeit dort war schnell vorbei. Paul und ich nahmen am Dienstag Morgen um 5 den ersten Flieger nach Bukoba, wo sich unsere Wege trennten und ich von meiner Mentorin Achsah abgeholt und an meinen Einsatzort Karagwe gebracht wurde. Ruck zuck landete ich im Hotelzimmer und durfte dort den restlichen Tag alleine verbringen. Der Versuch, eigenständig auf den nächstgelegenen Markt zu gehen, war schnell überfordernd: Alle Blick waren auf mich gerichtet und in schnellster Kürze hatte sich um mich eine Truppe von Kindern, Frauen und Verkäufern gebildet. Wie es mir schon als Kind unangenehm war im Schwall solch unbekannter Menschen im Mittelpunkt zu stehen, war es dies jetzt noch mehr, da mir keiner wie meine Eltern zur Hilfe stehen konnte. Also kaufte ich mir schnell mein dringend notwendiges Wasser und verschwand für den Rest des Tages im dunklen Hotelzimmer. Am Mittwoch wurde mir der Church Office in Lukajange vorgestellt. Im Anschluss fuhr ich mit Achsah auf den Markt und kaufte mir Grundlegendes zum Essen und Putzen. Abgeholt wurde ich von dem Headteacher der Karaseco Secondary School, meiner bevorstehenden Arbeitsstelle. Dort angekommen durfte ich sofort mein Haus beziehen und im Anschluss mit den Lehrern Mittagessen. Alle waren sehr herzlich und schnell freundete ich mich mit zwei jüngeren Lehrerinnen an, welche mir den Compount zeigten. Das abendliche Fußballspiel der Männlichen Schüler gegen ihre Lehrer war durchaus unterhaltsam und ich freute mich sehr, als ich vor den anderen tanzen sollte und dessen Begeisterung groß war. Danach wollte ich ungern zurück in mein Haus, welches sehr dunkel und zu groß war. Mit schwerem Herzen packte ich meine letzten Sachen aus und brauchte lange bis ich letztendlich einschlief. Doch aufwachen tat ich durchaus nicht aufgrund meines Weckers.. Erst dachte ich, dass Tiere auf meinem Haus turnten, doch dies bestätigte sich bedauerlicher Weise nicht. Denn eine Person versuchte sich durch meine Eingangstür Zutriff in mein Haus zu verschaffen. Ohne Erfolg ging sie ums Haus an meinem Fenster vorbei und versuchte es erneut am Hintereingang. Schnell machte ich das Licht an um ihn auf mein Bemerken aufmerksam zu machen und zwei Stunden später wurde ich von Achsah abgeholt und zurück nach Lukajange gebracht. Mein zweiter Umzug stand bevor, doch diesmal in ein deutlich schöneres und tatsächlich bekanntes Haus. Mein Bruder hatte hier vor elf Jahren sein FSJ mit der VEM gemacht und ich durfte nun sein altes Heim besetzten. Die kommenden Tage verbrachte ich viel Zeit mit meiner schon sehr lieb gewonnenen Mentorin, ohne sie hätte ich hier sicherlich deutlich größere Schwierigkeiten mich zu integrieren. Ich traf viele Freunde von ihr und ebenfalls andere Deutsche, welche traurigerweise bald wieder weg sind. Mein Wohnort liegt sehr weit außen und bis in die Stadt dauert es ungefähr 20-30 min mit dem Auto, wodurch ich den Kontakt zu anderen Jugendlichen nur bedingt halten kann. Als ich am Samstag Achsah auf ihre eigene Plantage und zu Ihrer Familie begleitete, wurde mir die Arm-Reich-Schere schnell und bewusst vor Augen geführt. Ich war froh kein Geld dabei gehabt zu haben und somit nicht in der Versuchung gekommen zu sein den bettelnden Menschen etwas zu geben. Deutlich glücklicher und gleichzeitig traurig machte es mich, als ich mit meinem Wasser aushelfen konnte. Abends fuhr ich spontan mit einem Piki Piki (Motorcycle) in die Stadt zu einer Familie, welche auch in Bekanntschaft zu meiner steht. Die Frau ist Dänin und kann sehr gut Deutsch. Ihr meine einsame und bisher unzufriedene Lage zu erklären tat gut und schnell ließ sich die Idee aufkommen bei Ihnen für das Jahr einzuziehen. Den Sonntag Morgen verbrachte ich 3 Stunden in der Kirche mit anschließender Versteigerung, wo ich einen Hahn geschenkt bekam. Achsah und ich nennen ihn Jürgen und bisher ist er dem Schlachter vorenthalten worden, was allerdings nicht mehr lange dauern wird. Mit einem gemeinsamen Picknik, netten Gesprächen und einem kleinen Spaziergang endete der letzte Tag meiner ersten Woche. Gemischte Gefühle von Freude, Begeisterung, Heimweh und Einsamkeit. Dazu Stromausfall, Quiekende Mitbewohner (welche mein teures Brot aufgegessen haben), verstopfte Ausflüsse.. Schon jetzt am Anfang der zweiten Woche erfahre ich, dass die Wahrscheinlichkeit eines Wohnsitzes bei der Gastfamilie ausgeschlossen ist. Außerdem ist zur Zeit Regenzeit.. Die Menschen hier freut das sehr, meine Begeisterung hält sich dabei eher in Grenzen, da das alleinige im Haus sitzen und bisher niemandem Helfen können (habe jetzt erst mal zwei Wochen frei, da hier momentan Schulferien sind) nicht gerade feierlich ist. Also wie ich euch leider mitteilen muss geht meine Motivation bergab, zumal noch nicht ganz feststeht, was meine zukünftige Arbeit sein wird. Hoffentlich hat sie schon die tiefste Treppenstufe erreicht, sodass es nur bergauf gehen kann, aber das sehen wir dann weiter. Ich vertraue auf Gott, dass sein Wille mich hier zu haben auch mein Wille wird und bleibt. Dass ich den schon gewonnen Anschluss zu den Menschen hier genießen kann und ich euch bald mehr Positives erzählen kann. Wie auch das schöne Rom nicht an einem Tag erbaut werden konnte, so muss auch ich mir die notwendige und lange Zeit nehmen um hier anzukommen. Denn schließlich besteht mein Herz nicht aus Lego-Steinen, mit welchen ich als kleines Mädchen innerhalb weniger Stunden ein buntes Paradies bauen konnte. Liebste Grüße, Eure Miriam Zawadi

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Kommentare

  1. 1. Gisela  |  05 September 2017, 21:52

    Liebe Miriam, das ist ja ein beschwerlicher Start mit sehr unangenehmen Aufregungen und Ereignissen! Ich wünsche dir von Herzen dass es schnell leichter wird für dich und du eine Bleibe findest in der du dich wohl und sicher fühlst! Ich denke sehr an dich,deine gisela

 

 

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